Warum gewinnen doch nicht immer alles ist
Rot-Weiß Sagar II 33 (16)
HSV Pulsnitz II 29 (14)
Nüchtern betrachtet könnte man diese Auswärtsfahrt in den äußersten Osten der Republik als vollkommen gescheitert betrachten. Man kann eine Niederlage gegen den Tabellenvorletzten auch nicht beschönigen, gerade dann nicht, wenn Undiszipliniertheiten ausschlaggebend für diese Niederlage waren. Aber erst einmal der Reihe nach.
Bei schönstem Ausflugswetter begab sich die Zweitvertretung des HSV Pulsnitz auf den Weg nach Sagar, um den vierten Tabellenplatz mit einem Sieg zu sichern. Dort angekommen stimmte man sich mit allem, was der „Volksempfänger“ her gab, Bockwurst und Bier auf ein heißes Spiel ein.
Nach nun kurzer Erwärmung: Anpfiff!
Pulsnitz begann ballsicher, die von der Strategieabteilung ausgerufene Taktik „L.A.d.W.“ (Längste Angriffe der Welt) brachte den HSV 7:1 nach 18. Minuten in Front und man sah, dass Sagar und die Schiris, zumindest wenn man letztere so nennen will, so langsam die Geduld verloren. Was sicherlich nicht zuletzt auch an der ausgelassenen Stimmung der Pulsnitz Sieben lag.
Immer wieder wurden klarste Pulsnitzer Torchancen vereitelt, mit zumindest meist grenzwertigen Aktionen des Gegners, ein beherzter Pfiff des Schiri-Duos blieb da aber allzu oft aus.
Sicher war dies nicht der einzige Grund für die Aufholjagd der Rot-Weißen, denn Pulsnitz wirkte in der Folge auch etwas unkonzentriert, aber auch weil man sich die ganze Zeit fragte, welches Spiel die Rietschener (Un-)parteiischen sahen.
Lange Rede, wie immer kurzer Sinn: Halbzeitstand: Sagar 16, Pulsnitz 14. „Weitermachen!“ lautete das Motto in der Kabine, das Gleiche schworen sich anscheinende auch die Schiris, denn sie pfiffen fort während schlecht. Naja, Rückblickend betrachtet hätte man dann doch die zweite Halbzeit nicht antreten sollen, aber was tut man nicht alles um Strafen zu vermeiden.
Im Spiel ließen sich die Pulsnitzer mehr und mehr auf Diskussionen mit den Männern von der pfeifenden oder manchmal auch nicht pfeifenden Zunft ein und schwächte sich somit selbst, da Sagar an diesem Tag keinesfalls unschlagbar gewesen wäre. So verabschiedeten sich B. Gebler und R. Schäfer beide in Minute 41. mit Rot
nach Foulspiel (durchaus fragwürdig) und M. Scholze folgte ihn fünf Minuten später mit seiner zweiten und dritten Zeitstrafe wegen Meckern, welche in der Addition auch Rot ergab.
Hatte man schon fast die ganze zweite Hälfte in Unterzahl gespielt (teilweise mit nur drei Mann), musste man die letzten 10 Minuten dauerhaft auf einen weiteren Spieler verzichten. Trotzdem kämpfte sich die Truppe noch einmal heran (29:28, 55. Minute), musste sich dann aber letztendlich den Hausherren mit 33:29 geschlagen geben. Dass es im Anschluss an die Begegnung zu Handgreiflichkeiten der Schiedsrichter untereinander (!) kam, ist zwar irgendwie lustig, in erster Linie aber peinlich und Ausdruck dieser beiden „Sportfreunde“.
Für den HSV spielten: B. Gebler 2/2, T. Gebler 4, Caspar 4, Albrecht 3, Schäfer 5/2, M. Scholze 8, O. Scholze, Perkams 3, sowie Weißenfeld im Tor
Saisonrückblick
Gut, das war also nun der letzte Spielbericht der Saison, wir sind aber noch die Antwort auf die Frage schuldig, warum gewinnen nicht immer alles ist.
Die Saison ist vorbei und man rekapituliert im Geiste.
Mit großen Erwartungen in die Saison gestartet, legten die vermeintlichen Trainer Eppendorfer und dann Nücklich, in dieser Reihenfolge, ihr Amt vor dem ersten Trainingsauftakt nieder.
Positiv anzumerken bleiben besonders die Heimspiele, wo man, bis auf die Heimpleite gegen den späteren Staffelsieger Koweg Görlitz, ungeschlagen blieb. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass man als Aufsteiger sofort Anschluss an die Topmannschaften der Liga fand und am Ende einen respektablen vierten Tabellenplatz zu Buche stehen hat. Wenn man bedenkt, dass allein 26 Spieler das Dress der „Zweiten“ tragen durften und man die Saison ohne echten Übungsleiter bestritt, kann man das durchaus als Erfolg ansehen. Der Mix aus Routiniers, Rekonvaleszenten der Ersten, Jugendspielern und Stand-by-Akteuren schaffte es, oft auch ohne gemeinsames Training, ordentliche Spiele abzuliefern und sogar in Halbfinale des Ostsachsenpokals einzuziehen.
Nichtsdestotrotz fehlte größtenteils die Organisation, da waren dann ab und an mal die Trikots vom Erdboden verschluckt, oder man reiste mit einer „Not-Sieben“ zu den Auswärtsspielen. Ohne diese Probleme wäre vielleicht sogar noch viel mehr möglich gewesen. Eine Konstante gab es aber immer in der zweiten Männermannschaft des HSV Pulsnitz, Feiern konnte man mit und ohne Anlass stets ausgelassen und in solchen Momenten wusste man, dass „gewinnen eben doch nicht immer alles ist“. Man wird sehen, aus welchen Spielern sich die HSV-Reserve in der nächsten Saison rekrutieren wird und welcher Trainer den vakanten Posten übernimmt. Die Zweite bedankt sich für die Unterstützung auf den Rängen und verabschiedet sich in die Sommerpause. Bis zur nächsten Saison! Sport Frei!!!
*KARS*