Mit einem eher mehr nur als Arbeitssieg zu bezeichnenden Erfolg erkämpft der Spitzenreiter Pulsnitz zwei Punkte mit 26:18 (9:11) bei Sagar in Bad Muskau.

Es ist so ein geflügeltes Wort, wenn schwer errungene Siege in weniger ansehnlichen Partien als dreckiges Spiel bezeichnet werden. Auf die Begegnung des Tabellenführers der Bezirksliga aus Pulsnitz gegen den SV Rot-Weiß Sagar als Vorletzten trifft das aber uneingeschränkt zu. Dabei müssen vor allem der Einsatz und der unbändige Kampfgeist der Gastgeber hervorgehoben werden, der aus seinen begrenzten Möglichkeiten das Beste machte. Den Gästen gab das natürlich wenig Spaß, aber sie fanden auch lange nicht die nötige Einstellung, richtig darauf zu reagieren. So gingen die Favoriten sogar mit Rückstand in die Pause und brauchten sich nicht gerade groß zu wundern, nicht richtig ins Spiel zu komen. Dabei hatten sie doch standesgemäß mit einer klaren 4:1-Führung begonnen, wobei es dazu immerhin schon gute neun Minuten bedurfte. So torarm ging es alsdann auch bis zum Seitenwechsel weiter. Nach dem 6:2 gelang zeitweilig nichts mehr und das Spiel kippte zum 6:7 für Sagar. Zwischen der zwölften und 18. Minute wurde ein Fehler nach dem anderen produziert, wobei die Gastgeber auch nicht fehlerlos agierten. Diese fast katastrophale erste Hälfte war für Trainer Michael Schwenke Anlass zu einer sehr lauten und eindringlichen Kabinenpredigt: „Nach meiner Ansprache bin ich jetzt heiser und immer noch angefressen über unser sehr  schwaches Spiel. Zur Halbzeit lagen wir 11:9 zurück, weil wir ungeordnet spielten, schlecht warfen und nicht in die zweite Welle kamen. Knackpunkt war sicher ein überhartes Foul in der 14. Minute, das uns verunsicherte und nicht in den gewohnten Rhythmus finden ließ. Immer mehr passten wir uns danach dem Tempo des SV an, waren so auch langsam, ungenau und schlossen oft zu zeitig ab. Nach dem Wechsel haben wir endlich ein wenig den Schalter umgelegt, spielten dann deutlich geordneter, kamen toremäßig schnell wieder ran und Im hin und her spielten wir auch die Angriffe besser aus. Wie in der Kabine vorgenommen, gelang es, in der Abwehr ballorientierter zu spielen. Ich bin froh, dass wir das Spiel schnell umgebogen und die Schlussfolgerungen aus der Kabine mitgenommen haben. Trotzdem blieb es kein gutes Spiel, obwohl wir standesgemäß gewannen und auf die zweite Halbzeit aufbauen können.“ Die Partie zeigte wieder, dass der Reifeprozess der vielen jungen Spieler noch einige Zeit bedarf und auch solche Erfahrungen zum Wachsen erfordert. Positiv zumindest, dass nie aufgegeben und immer wieder nachgefasst wurde. Dass die Gastgeber lange gezwungen wurden, an ihre Grenzen zu gehen, zahlte sich letztlich aus. Zwischen der 42. und 52. Minute nach dem 16:16 befreiten sich die Pfefferkuchenstädter mit sechs Toren in Folge und sicherten so den Auswärtssieg. Die Sagaraner zollten da wohl ihrem bis dahin tollen Einsatz Tribut und kamen so in der Schlussphase nicht mehr zurück. Die Gäste spielten ihren Stiefel runter und kamen wenigstens noch zu einem klareren Punktsieg. Angenockt waren sie zumindest zwei Drittel der Spielzeit und wankten zeitweise. Am Ende sorgten vor allem Colin Herms – nach dem Wechsel im Kasten – und William Thomschke, der mit seinen Toren endlich einmal erwachte für den nötigen Drive zum Erfolg. Positiv auch zu vermerken ist der fast fehlerfreie Einsatz von Felix Richter – später Ronny Schöne – in der Manndeckung auf Tobias Ladusch, den stärksten Rot-Weißen. Am Ende zählt nur der Erfolg, und der bringt weiter eine klare Spitzenposition, zumal Bernstadt vor Wochenfrist in Hoyerswerda patzte und mit Schleife ärgster Verfolger bleibt. Jetzt kommen die Spiele der Wahrheit und da muss Pulsnitz in einer Woche zuerst zu Hause gegen Bernstadt Farbe bekennen und liefern. Hoffentlich war das schwere Spiel in Bad Muskau ein dementsprechender Wachrüttler.

Pulsnitz spielte mit: Hoppe, Herms; Liese (6/2), Thomschke (6), Johne, Eppendorfer (1), Kasper (6), Schulze (2) und Richter (2).

Eberhard Neumann


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