Die Pulsnitzer Männer können einen größeren Vorsprung gegen Bernstadt nicht in zwei Punkte verwandeln und sind am Ende froh über die Punkteteilung beim 34:34 (17:13)-Endstand.

Traurig schlichen die Bernstädter Gäste nach dem Unentschieden in Pulsnitz beim Spitzenreiter von dannen, ehe auch sie ihrer Freude nachgaben. Einer von ihnen war zur tragischen Figur geworden, wollte sich fast vergraben, nachdem er in der letzten Sekunde mit seinem Sieben-Meter-Ball einen Zähler übers Tor fliegen sah. Das löste alle Verkrampfungen der Schlussphase und der Anspannung vor dem finalen Wurf bei den Gastgebern. Die feierten das Remis wie einen Sieg. Immerhin hatten sie damit die dreifache Schmach der letzten Saison getilgt. Damals wurde jeweils nach Remis in den letzten Minuten noch ein Zwei-Tore-Minus hingenommen. Bis es jedoch zu dieser letzten Dramatik im Spiel zweier junger Spitzenteams gekommen war, passierte 60 Minuten lang eine Menge. Was da von beiden Seiten dem riesen Publikum, auch einer großen Schar Bernstädter, von beiden Teams geboten wurde, war für Bezirksligaverhältnisse allererste Sahne. Das war einem Spitzenspiel äußerst würdig. Und auch die jungen Schiris aus Sohland setzten da trotz einiger Wackler positive Akzente. Fürs Publikum gab es alles an Höhen und Tiefen im Spiel bei unbändigem Kampfgeist und Ehrgeiz, ohne dass es aus dem Ruder lief. Vor allem bei dem hohen Tempo über 60 Minuten zeigten beide, warum sie die Zukunft für sich haben. Den besseren Start verbuchten die Gastgeber, ehe die Gäste nach einer Viertelstunde besser ins Spiel fanden und erstmals auch knapp in Führung gingen. Danach berappelten sich die Eppendorfer, Liese, Kasper und Co. und holten bis zu sechs Tore Vorsprung heraus. Das sah schon wahnsinnig gut aus und es schien, als ob die Partie an Einseitigkeit gewinne. Aber gefehlt, denn die Bernstädter halbierten noch vor der Pause durch drei Treffer in Folge den Rückstand. Nach dem Wechsel dauerte es keine Ewigkeit, sondern nur fünf Minuten, bis die Schlagdistanz bei 19:18 hergestellt war. Pulsnitz befreite sich nochmals auf drei Tore Plus, dann kam die Zeit der Gäste nach dem 22:19. Das folgende Remis verlieh scheinbar zusätzliche Kräfte und dann ging es im Tore hin und her weiter, immer noch mit jeweils einem Tor plus für die Pulsnitzer. Die Spannung fand keine Grenzen, denn mit dem 27:28 hatten die Pließnitztaler die Nase vorn. Das gleiche  Wechselspiel ging nun anders rum, bevor die Pfefferkuchenstädter das Ganze wieder für sich drehten. Nach dem 33:32 und verbleibenden drei Minuten wurde es richtig turbulent. Das angezeigte Zeitspiel mündete im 33:33 und es folgte ein umstrittenes Stürmerfoul. Die Bernstädter Auszeit bei noch 55 Sekunden endete im nächsten Angriff beim HSV-Keeper und den Konter-Gegenangriff brachte Oliver Lüttke wieder zur Führung im gegnerischen Kasten unter. Nach kurzer Verletzungspause glich Bernstadt 15 Sekunden vor Schluss noch aus. Anstatt ruhig runter zu spielen und den Torerfolg noch zu suchen, ging der Ball für den HSV  unnötig verloren, genauso wie die Chance auf die letzte Auszeit. Das zwang Marco Schulze, noch beherzt einzugreifen, um die letzte Möglichkeit der Gäste zu verhindern. Quittung war für ihn Rot für die dritte Zeitstrafe und zusätzlich der Siebenmeter für die Bernstädter. Und da kommt der Anfangsbericht wieder ins Spiel und das Glück des hart  erkämpften Punktes für die Gastgeber. Trainer Michael Schwenke war selbst noch völlig außer sich und musste nach Worten ringen. Gefasster meinte er dann: „Insgesamt gesehen ein gerechtes Unentschieden und zuletzt durch den verworfenen Siebenmeter glücklich anmutend. Wir machten vor allem in der ersten Hälfte ein starkes Spiel. Hinten und im Tor lief es da gut, während Bernstadt Probleme mit dem Verteidigen unserer zweiten Welle hatte. Bei uns kam vor der Pause ein Bruch rein durch notwendiges Wechseln und dann die doppelte Unterzahl. Das brachte die Gäste etwas ran. Auf beiden Seiten kam immer mehr Hitzigkeit rein und schnell war auch unser Vorsprung aufgezehrt. Der Gegner hat da gut gespielt und wenn nicht mit Tempo zum Tor gegangen, lange gewartet. Wir scheiterten zu oft am starken Torhüter und gerieten so in Rückstand. Es folgte ein offener Schlagabtausch in einem insgesamt schönen Spitzenspiel. Wir können mit dem Punkt gut leben und ich bin mit dem ordentlichen Spiel zufrieden. Immerhin hatten wir in der letzten Saison noch die Unentschieden-Zwischenstände kurz vor Schluss mit zwei Toren Rückstand quittieren müssen. Das haben wir diesmal klar besser gemacht und deutlicher dagegengehalten.“ Interessant noch zu vermerken bleibt die unterschiedliche Torverteilung. Während bei den Gästen drei Spieler für das Gros der Tore sorgten, war die Breite beim Gastgeber größer. Die Weickelt (13/3), T. Ulbrich (9) und Paul  (5) machten 27 Buden, beim HSV teilten sich insgesamt neben dem herausragenden John Eppendorfer weitere sechs die Torerfolge. Damit bleiben die Pulsnitzer unangefochten und ungeschlagen Tabellenführer mit drei und vier Zählern plus auf die Verfolger. Trotz Pause am nächsten Wochenende gibt es kein Ausruhen, denn schon in der darauffolgenden Woche kommt der Dritte Schleife zum nächsten Spitzenspiel.

Pulsnitz spielte mit: Hoppe, Herms; Liese (4), Thomschke, Johne (2), Lüttke (5), Drabant, Eppendorfer (11/5), Schöne (2), Kasper (5), Küster, Schulze (5) und D. Schwenke.

Eberhard Neumann


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