Jan 20

Letztes Jahr bekam ich zu meinem 18. Geburtstag eine Kurzreise nach Berlin inkl. Eintrittskarte für drei Vorrundenspiele der Handball-WM. Wenn die WM schon mal so nahe stattfindet, muss man als Handballer auch mal da hin. Klar war ich schon mal zu einem „großen“ Spiel einer Bundesligamannschaft (in Mannheim bei den Rhein-Neckar-Löwen)… klar war da eine riesen Stimmung, aber was mich da in Berlin erwarten sollte, übertraf meine Erwartungen bei weitem.

Freitagnachmittag fuhren wir los. Unser Hotel war nur ca. 10 Gehminuten von der Mercedes-Benz-Arena entfernt, also war eine kurze Besichtigung der Arena und ein paar der üblichen „Berlin-Highlights“ angesagt. Abgeschlossen haben wir den Tag mit dem Besuch in der „L‘Òsteria“, wo es wagenradgroße Pizzen gab.

Samstag, 12.01.2019: nachdem wir ausgiebig und sehr lecker gebruncht hatten, ging es in die Mercedes-Benz-Arena. Drei Spiele standen heute auf dem Programm – Russland vs. Korea, Frankreich vs. Serbien und natürlich Deutschland gegen Brasilien. 14 Uhr wurde dann die Halle geöffnet und der Einlass begann. Alles in einer Ruhe…kein Gedränge, kein Gejohle… Ich dachte, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass sich für das erste Spiel „Russland vs. Korea“ keiner interessiert und deshalb auch kaum Leute in der Halle sein würden. Doch dem war nicht so. Langsam füllten sich die Ränge. Da sprach mich jemand an: „Colin! Mit dir wollte ich schon lange einmal reden“. Es war der Hallensprecher und ich war groß und deutlich oben auf dem riesigen Bildschirm in der Hallenmitte zu sehen. Am Ende des kurzen Interviews durfte ich mir noch einen Musiktitel wünschen. Naja, und was nimmt ein Fan? „Bad Boys“ von Inner Circle.

Über 10.000 Leute schon beim ersten Spiel. Und die Stimmung in der Halle war super. Obwohl da noch nicht mal Deutschland spielte.

Ende Spiel 1, erwartungsgemäß hat Russland gewonnen.

Und nun ging`s los! Deutschland gegen Brasilien. Brasilien? Ja, genau das Brasilien, das uns beim letzten Mal so geärgert und uns als Verlierer von der Platte geschickt hat. Es sollte also kein langweiliges Spiel werden.

Da kamen sie! Die Halle stand und tobte. Das hatte ich so noch nicht erlebt. Im Fernsehen bekommt man diese Atmosphäre so überhaupt nicht mit. Dann die deutsche Nationalhymne. Die ganze Halle sang mit. Es war überwältigend. Bei dieser Fanunterstützung muss das deutsche Team ja gewinnen. Anpfiff…Angriff Brasilien…erste starke Parade von Andy Wolff und wieder stand die ganze Halle. Das muss man erlebt haben!

Bei jedem gehaltenen Ball ging die Faust von Andy Wolff nach oben, sprang die Bank auf und tosender Beifall von den Rängen. Und das Gleiche natürlich nach jedem deutschen Tor.

Am Ende klarer Sieger Deutschland… „ooooooh wie ist das schön…“ – schallte es von den Rängen.

Mir taten die Hände vom vielen Klatschen weh, unsere Klatschinstrumente hatten schon lange ihren Geist aufgegeben und sich buchstäblich aufgelöst.

Ausverkaufte Halle (13500 Zuschauer) und wohl fast 8 Millionen vor den Fernsehern.

Es war ein richtig geiles Wochenende. Ich habe es sogar noch geschafft, rechtzeitig zum Pokal-Spiel unserer 1 Männermannschaft meine „Arbeit“ im Tor zu erledigen…

Ist schon der Wahnsinn. Seit ca. 10 Jahren spiele ich selbst Handball, seit ca. 4 Jahren bin ich auch als Schiri unterwegs. So konnte ich die Spiele aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten: als Spieler (und Fan von Uwe Gensheimer), als Torwart und als Schiedsrichter.

Und was mich noch begeistert hat: da sind fast 14000 Leute in einer Sporthalle mitten in Berlin… da siehst du keine bis an die Zähne bewaffneten Polizisten, da siehst du  keine zerschlagenen Toiletten oder Kioske, da wird  kein Pyrokram gezündet… nichts. Die Fans kommen in aller Ruhe, feuern ihre Mannschaft an und gehen wieder in aller Ruhe. So ist Handball, so sollte das überall sein!!!

(Colin Herms)


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