Mit einer deftigen 37:26 (17:10)-Auswärtspleite in Bernstadt muss der HSV in das schwere, ungewisse Restprogramm der Saison gehen.

Um es vorweg zu nehmen, es ist nichts verloren. Die Niederlage in Bernstadt ist nur ein kleiner, hoffentlich nicht entscheidender Bruch einer insgesamt tollen Saison der Männer von Michael Schwenke. Bedenklich allerdings ist die Höhe und zudem die Hilflosigkeit, mit der sich die HSV-Männer in Bernstadt abschießen ließen. Da stimmte diesmal recht viel gar nicht. Fehlende Körpersprache, falsche Lösungsansätze oder ein alles oder nichts prägten die erkennbar großen Unterschiede zwischen beiden Teams. Für die jungen Pulsnitzer spielte möglicherweise auch in den Hinterköpfen mit, in und gegen Bernstadt in den letzten Jahren beinahe nichts gerissen zu haben. Dazu schien die tolle Kulisse deren Einsatz zusätzlich zu lähmen. Deutlich anders die Gastgeber, die sich von der Stimmung in der Halle tragen und von der ersten Minute an äußerst fokussiert in die Partie treiben ließen. Auch die älteren HSV-er verstanden es diesmal nicht, der wohl wichtigsten Begegnung der Saison ihren Stempel eindrucksvoll aufzudrücken. Zu vorsichtig, auch durch schnelle und viele Zeitstrafen nie in ihren Rhythmus findend, blieb dazu alles nur Stückwerk. Dennoch ist allem auch der positive Aspekt abzuringen, dass nichts verloren ist. So haben die Schulze, Liese, Richter und Co. alles noch selbst in den Händen, den Saisonabschluss erfolgreich zu gestalten. Unter der Devise, jetzt erste recht, kommt dieser Warnschuss hoffentlich noch zur rechten Zeit. Zuerst gilt es, gegen Oberlichtenau mit einem Sieg den wichtigen  Teilschritt zu gehen, der zu Meisterschaft und Direktaufstieg führen soll. Dann kommt es zu dem nun alles entscheidenden Endspiel in Schleife, das einfach nur gewonnen werden muss. Die Partie in Bernstadt zeigte einmal mehr, dass beide Teams in die Verbandsliga aufsteigen sollten, um vor allem deren gemeinsamer, toller Nachwuchsarbeit gemeinsam Ausdruck zu verleihen und recht zu geben. Das Tempo- und zudem schnelle Umkehrspiel, das beide bevorzugen und können, brachten diesmal nur die Gastgeber ordentlich auf die Platte. Schwenke, der Gästecoach wusste nicht so recht zu entscheiden, was ihn besonders bewegte. Im ersten Frust nach der Partie fand er schnell wieder zu eigener Sicherheit und Sachlichkeit: „Glückwunsch den Bernstädtern, die heute mit dem Teilerfolg die Meisterschaft offen hielten. Wir selbst boten eines der schlechtesten Spiele der Saison. Wir spielten trotz der Bedeutung oder gerade deshalb nicht unser Potenzial aus. Ich hatte gefordert, von Beginn an mutig und schnell zu spielen und unsere Stärken in die Waagschale zu werfen. Aber wir begannen wie mit angezogener Handbremse, verteidigten nicht gut und haben schlecht geworfen. Bernstadt erwischte eine Sahnetag. Dazu ging das Torhüterduell für uns verloren. Unser junger Keeper stand unter mächtigem Druck und ließ sich von der Atmosphäre anstecken. Aber auch die erfahrenen Spieler agierten mit zu viel Respekt und zu verhalten. Dafür lief auch vieles gegen uns. Zwei der wichtigsten Abwehrspieler kassierten schon vor der Pause je zwei Zeitstrafen, was unsere Sicherheit zusätzlich dämpfte. Aus den Zeitstrafen der Gastgeber zogen wir auch kein Kapital, wobei ich das ständige Fallen und Strafen schindende Auftreten einiger Bernstädter durchaus kritikwürdig finde. Das hat aber wenig damit zu tun, dass wir kein gutes Spiel boten und nicht die Qualität auf die Platte brachten, die uns in der gesamten Saison auszeichnete. In der zweiten Hälfte haben wir streckenweise gezeigt, was geht, das Tempo mitgenommen und weiter gekämpft. Die Hypothek der schwachen ersten Halbzeit abzubauen, ist gegen einen solchen Gegner aber auch zu schwer, um eine so schlechte erste Hälfte völlig umzudrehen. Wir müssen das runterschlucken und haben noch alles selbst in der Hand. Wir werden wieder unsere Stärken zurückholen  und akzeptieren, mit eigener Kraft die Saison retten zu müssen.“ Damit demonstrierte Schwenke seine Gefühlswelt und stellt klar, dass nichts verloren ist. Die Erfahrungen von Bernstadt sollten nicht nur ausgewertet, sondern positiv zur Änderung angenommen werden. Jetzt liegt erst einmal der Fokus auf dem Stadtderby mit Oberlichtenau, das keinesfalls im Vorbeigehen zu gewinnen ist. Bekanntlich ist das meist auch von einer Vielzahl von Unwägbarkeiten und Emotionen geprägt, die einfach überspielt werden sollten. Big-Points gibt es noch vier zu holen, und die müssen mit dem bekannten Kampfgeist und der nötigen spielerischen Performance eingefahren werden. Vielleicht ist die Bernstadt-Pleite dafür ein entsprechender Fingerzeig.

Pulsnitz spielte mit: Herms, Bauer; Liese (6), Krahl, Jung (2), Thomschke (2), Lüttke (1), Eppendorfer (1), Schöne (5/2), Kasper (1), Schulze (4), Richter (3), M. Scholze und D. Schwenke (1/1).

Eberhard Neumann


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