Durch eine für Schleife beinahe ungefährdet erscheinenden Pulsnitzer 27:23 (14:10)-Pleite gehen die Meisterschaft und der Aufstieg noch an Bernstadt.

Um es mal vorweg zu nehmen, die Bernstädter verdienen sich den Erfolg von Meisterschaft und Aufstieg, allein schon wegen der im Vorjahr verpassten Möglichkeiten, als so manche administrative Entscheidung gegen sie lief. In diesem Jahr waren sie zudem das spielerisch beste Team der Liga. So gratulierte auch Trainer Michael Schwenke: „Bernstadt war insgesamt einfach besser, meine Gratulation dazu. Wir wurden dort deutlich geschlagen. Wir können nun unsere Enttäuschung aber auch nicht runterspielen.“ Und gerade diese zwei Partien gegen den OHC und die letzte gegen Schleife sind Beleg dafür, an was es seinem Team noch fehlt. Die Big Points in den entscheidenden Begegnungen machen noch die anderen. Trotzdem können sich die Pfefferkuchenstädter freuen über eine tolle Saison. Immerhin standen sie ab dem vierten bis zum letzten Spieltag immer an der Tabellenspitze. Das verdeutlicht die Entwicklung des Teams mehr als mancher denkt. Nach dem fünften Vorjahresrang stehen diesmal Platz zwei und das Pokalfinale. Wurden im Vorjahr noch lediglich vier von 16 Punkten gegen die vier Liga-Spitzenteams geholt, so waren es diesmal schon derer zehn. Reichten zuletzt acht Minuspunkte zu Rang eins, so durften es jetzt nur fünf sein. Das Plus für die Oberländer ist, dass trotz Niederlagen gegen Schleife und Hoyerswerda eben drei Zähler gegen den ärgsten Konkurrenten Pulsnitz gelangen. Noch viel mehr Statistisches ließe sich anfügen, um die tolle Entwicklung des HSV-Teams zu verdeutlichen, und der Tragik des letzten Spieles gerecht zu werden. Der Coach war zwar gefasst, aber doch recht aufgewühlt: „Mir schien, wir hatten Angst vor der eigenen Courage. Wir spielten einfach nicht mutig genug und vor lauter Sicherheitsdenken passierten dumme Fehler. Wir hatten hier die gleichen Probleme wie in Bernstadt. Vor allem im Angriff waren wir zu zurückhaltend und haben den Torwart teilweise berühmt geworfen. Nur ab und zu blitzte das auf, was uns stark macht. Die starke Abwehr und das schnelle Spiel nach vorn waren nicht durchgängig gut. Als Positiv nehmen wir mit, dass wir uns zum Vorjahr um drei Plätze verbesserten. Dass wir hinten raus den ersten Rang noch abgeben müssen, ist bitter. Wie wir das heute gelöst haben, ist enttäuschend. Das zeigen die schwachen Abschlüsse und einfachen Fehler deutlich. Wir spielten eine insgesamt starke Saison, haben aber durch die verkorksten Auswärtsspiele in Bernstadt und Schleife den Enderfolg nicht verdient. Die Truppe wird weiter spielen und sich steigern. Ich hätte gern mit ihr in der Verbandsliga gespielt.“ Trotz der Enttäuschung darf also von einer super Saison gesprochen werden. Obwohl der Spielverlauf völlig enttäuschend war, konnte da mehr erreicht werden. Aber schon der Beginn war im Gegensatz zu den anderen Spielen mehr als durchwachsen. Allein in den ersten fünf Minuten wurde drei frei Würfe von außen nicht zur gewohnten Führung genutzt. So rannten die Pulsnitzer immer einem Rückstand hinterher. Vor allem bei den Überzahlspielen, die alle verloren gingen, war das Problem erkennbar. Wenn das schnelle Umkehrspiel nicht funktionierte, wurde dennoch zu schnell, überhastet und unkonzentriert der Abschluss gesucht, aber nicht gefunden. Das machte den Gegner zusätzlich stark und zerrte an der dünnhäutigen Psyche vieler HSV-Akteure. Durch zu viele Unterbrechungen kam es auch nie zum nötigen Tempospiel, mit dem die Gegner sonst überrannt wurden. Auch dadurch kaum den nötigen eigenen Rhythmus findend, blieb alles nur Stückwerk, das mit der Brechstange schon gar nicht zu lösen war. Dass der Gastgeber trotz seines Willens, auch das letzte Heimspiel zu gewinnen, schlagbar war, ist darin zu erkennen, dass er sich nie entscheidend absetzte. Aber die einmal erkämpfte Fünf-Tore wurde immer wieder zurückgeholt, während sich die Pulsnitzer in der Aufholjagd verschlissen. Ein wenig kurios bleibt auch, dass ein Team, das nur durch die weiße Weste in Heimspielen noch Rang drei belegt. Auswärts wurden viele Punkte verschenkt, indem mit einem Rumpfteam angetreten wurde. Da besser auftretend, könnte Lok sogar ein ernst zu nehmender Gegner für die Spitze der Liga um die Meisterschaft sein. Was bleibt, ist die Enttäuschung darüber, dass – obwohl alles in den eigenen Händen habend – die Saison mit so einem zuletzt unversöhnlichen Abschluss endete. Aber das Team sollte jetzt noch stärker zurückkommen. Da war schon der Ersteinsatz von Oliver Scholze im Tor nach ewig langer Verletzungspause ein Fingerzeig für die Zukunft. Und ein möglicher Pokalsieg kann ebenfalls noch für manche Traurigkeit entschädigen. Da kann das Team zeigen, dass es auch große Moral gewonnen hat.

Pulsnitz spielte mit: Roth, Bauer, O. Scholze; Liese (7/2),Jung, Thomschke (1), Lüttke (3), Eppendorfer (3/1), Schöne, Kasper (3), Schulze (3), Richter (3), M. Scholze und D. Schwenke.

Eberhard Neumann


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