Mit einem souveränen 42:16 (18:7)-Auswärtserfolg ist das HSV-Team weiterhin auf der Siegerstraße und voll im Soll.

Das Ergebnis spielgelt in keiner Weise das Spiel und den Spielverlauf wider. Es war allenfalls eine recht komische Begegnung im Sorbischen Schul- und Begegnungszentrum zu Bautzen. Waren die bisherigen Partien beider Teams immer von Brisanz, Unwägbarkeiten, Kampf und Unberechenbarkeit besonders von Seiten der Oberguriger geprägt, so ließen die diesmal all ihre Tugenden vermissen. Die Gäste hatten mit einer deutlich größeren Gegenwehr gerechnet und sich darauf eingestellt. Zuvor trafen sie meist auf einen unberechenbaren Gegner, gegen den sich die Männer von Michael Schwenke immer schon schwer taten. Letztlich jedoch war es ein einseitiges Spiel, in dem die Pulsnitzer nie an ihre Grenzen gehen mussten. Ungewöhnlich war die Partie dennoch. Wie so oft, regnete es in die Halle rein, so dass gefühlt aller fünf Minuten gewischt werden musste. Dazu gab es auch mehrfach Unterbrechungen. Das hätte den Gastgebern bei anderer Besetzung auch in die Karten gespielt. Sonst mit konditionellen Problemen kämpfend, waren die vielen Pausen an diesem Tag nicht ausschlaggebend. Einfach zu schwach besetzt durch Fehlen mehrerer Stammspieler waren die SVO-Männer von vornherein im Nachteil und kamen nie zu richtigem Handballspiel. Zeitweise passten sich die Gäste dem an und vergaben eine Menge auch hundertprozentiger Chancen. Erst in der fünften Minute machten die HSV-er das 1:1, nachdem zuvor schon fünf freie Würfe nicht im gegnerischen Netz landeten. Zumindest danach hatte sich Oliver Lüttke gefangen und den Torhüter angekuckt, um insgesamt zehn Treffer zu markieren. In Summe zwölf Fehler und Fehlwürfe im Tempogegenstoß prägten die erste Hälfte auf Seiten der Gäste. Das wurde auch nach dem Wechsel nicht besser. Durch das Ausscheiden von Rentsch bei den Gastgebern Mitte der zweiten Hälfte schien ein neues  Rekordergebnis nur eine Frage der Zeit. Doch Pulsnitz schluderte und ließ unnötig viele Gegentreffer zu. Hatten die Gastgeber bis zur 46. Minute nur neun Tore erzielt, so gelangen denen danach immerhin noch sieben. Das war auch Ansatz für Kritik durch Trainer Michael Schwenke: „Insgesamt boten wir ein ganz ordentliches Auswärtsspiel. Anfangs hatten wir unsere typischen Obergurig-Probleme. Dann haben es aber auch alle geschafft, den Schalter umzulegen und erfolgreich zu sein. Wir konnten so unsere Schnelligkeit und technische Überlegenheit ausspielen. Auch unser Torhüter war gut drauf. Am Ende war die Spannung in der Abwehr weg, so dass wir noch etwas Ergebniskosmetik zuließen. Nach den letzten Einbrüchen in Halbzeit zwei war das heute deutlich besser. Wir haben jetzt eine Zwischenphase mit Vorbereitung auf das RIO-Spiel. Danach beginnen die schweren Spiele mit der Partie gegen Oberlichtenau.“ Wie recht er mit letzterem hatte, zeigte die SGO mit ihrem 26:24-Sieg gegen das verlustpunktfreie Neugersdorf einen Tag später. Bis auf den angeschlagenen Kenny Kasper beteiligten sich alle Spieler mehr oder weniger stark am Torreigen. Was blieb, war also wieder Licht und Schatten, was in den nächsten Wochen überwunden werden muss. Die 60 Minuten gilt es jeweils bis zum Ende konzentriert auszuspielen und zu beherrschen. Eine gute Zwischenstation und zugleich Gradmesser wird das Sachsen-Pokalspiel am 26. Oktober zu Hause gegen RIO-Riesa/Oschatz werden. Möglicherweise ist es auch gut, dass nicht durch ein noch besseres Torverhältnis die Tabellenführung von Kamenz übernommen wurde. Im Vorjahr schien ja die Spitzenposition eher zu Blockaden zu führen, als zum Meistertitel.

Pulsnitz spielte mit: Herms; Liese (4), Forke (1), Thomschke (5), Jung (2), Johne (4), Lüttke (10), Drabant (1),  Eppendorfer (6), Schöne (6), Kasper, und Grafe (3).

Eberhard Neumann


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