Mit einer unsicheren und auch relativ schwachen Leistung können die HSV-Männer ihre  leichte Favoritenrolle nicht bestätigen und verlieren das Derby gegen die SGO klar mit 31:27 (15:8)

Wie ein roter Faden zieht sich seit langem schon – die letzten Serien inbegriffen – die fehlende Überzeugung in Spitzenspielen durch das Pulsnitzer Spiel. Jetzt gab es auch gegen Stadtrivale Oberlichtenau im Derby nichts zu holen. Dabei war das Team von Michael Schwenke gut eingestellt und auch ordentlich besetzt. Aber einmal mehr wurde auf der Platte das Leistungsvermögen nicht abgerufen. Wenn gleich der Anfang deutlich in die Hosen geht und das junge Team eher ins Zittern als ins Agieren kommt, wird es hinten raus kritisch. Dann noch etwas zu korrigieren, ist gerade gegen routinierte Teams wie die SGO mehr als schwer. Dazu müsste auch jeder Top-Tagesform aufweisen. Die Oberlichtenauer Männer hatten im Heimderby mit Pulsnitz keinen allzu hohen Druck und konnten nicht nur motiviert, sondern locker aufspielen. Anders der HSV. Um an Spitzenreiter Kamenz dran zu bleiben, muss normalerweise jedes Spiel gewonnen werden. Das und der Aufstiegsgedanke scheinen aber eher zu blockieren und führen zum Schwächeln, wo es nicht angebracht ist. Dabei kam die SGO nicht mal zu ihrem arteigenen Tempospiel, sondern musste viel über zweite Welle oder im Positionskampf bewerkstelligen. Vor allem auf Thomas Kirste konnten sie sich dabei diesmal verlassen, der sich mit super Eins-Eins-Verhalten auszeichnete. Immer wieder narrte der erfahrene Rückrauwerfer die jungen Gäste und ging mit einfachster Finte an denen vorbei. Zusätzliches Pulsnitzer Handicap war der verletzungsbedingte Ausfall von Shooter Franz Johne. Er hatte es zu Beginn zwar versucht, musste dann aber abbrechen. Damit war der Druck aus dem Rückraum völlig dahin, denn die Kollegen konnten zu fünft lediglich sechs Treffer beisteuern, zwei weniger als Kirste allein. Dazu wurden drei Siebenmeter vergeben, durch die SGO keiner. Das alles zeugt schon von fehlender Konzentration und damit Durchschlagskraft. Der Coach war verständlicherweise sauer, als er sagte: „Ein verlorenes Derby ist kein Beinbruch, aber die erste Halbzeit war einfach nur enttäuschend. Es war nicht zu sehen, was wir trainieren. Das Tempo fehlte und die zweite Welle wurde phasenweise schlecht gespielt. Dazu wurde der Kasten unterirdisch verteidigt. In der Halbzeitpause hatte ich an die Ehre appelliert. Leise beginnend, wurde ich dann lauter und forderte, raus zu gehen und dem Publikum zu zeigen, dass wir Handball spielen können. Wir kamen dann auch besser in die zweite Welle und langsam ran. Aber im Rückraum hatten wir zu große Probleme. Die meisten hatten keine Normalform, zeigten wenig Selbstbewusstsein und waren zu mutlos. In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel verloren.“ 6:1 nach acht und 8:2 nach 13 Minuten waren eine Vorlage der SGO, an der sich die Pulsnitzer die Zähne ausbissen. Von diesem Vorsprung zehrte das SGO-Team die gesamte Spielzeit. Die HSV-Männer waren gezwungen, zu reagieren und nicht zu agieren. In der 46. Minute gelang zwar der 24:24-Ausgleich und Hoffnung keimte auf, aber die doppelte Überzahl wurde nicht optimal genutzt und ein verworfener Siebenmeter eröffnete den Oberlichtenauern wieder die Chancen, sich abzusetzen. Das geschah auch durch Vergabe von HSV-Chancen und dessen technische Fehler, was noch mehr verhinderte. Von der Tribüne wurde auf beiden Seiten gute Stimmung gemacht, aber die SGO blieb wieder am Drücker. Die kommende Partie am Sonntag zu Hause gegen NSV Görlitz wird nicht leichter, wenn es da keine Steigerungen gibt.

Pulsnitz spielte mit: O. Scholze, Herms; Liese, Forke, Krahl (4), Jung, Thomschke (2), Johne, Lüttke (1), Drabant (1), Schöne (7/7), Kasper (3), Schulze (3) und Richter (6).

Eberhard Neumann


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