Das Ergebnis von 35:30 (12:13) ist für den HVH Anlass zu Freude und Ausgelassenheit und führt und beim HSV zu Niedergeschlagenheit.
Der Sonntag war schon ein ereignisreicher Tag in der Kamenzer Sporthalle am Flugplatz. Er bot mit dem Spiel zwischen den Lessingstädtern und den Pfefferkuchenstädtern all das, was ein Derby zu dem macht, was alle erwarten. Endlich war die Halle auch wieder einmal sehr gut gefüllt und so tolle Stimmung vorprogrammiert. Viele Pulsnitzer hatten sich unter die große Zuschauermenge gemischt, so dass der Gäste-Fanblock überschaubar blieb. Nicht nur die hatten damit gerechnet, dass aus diesem mehr als nur Stimmung zu erwarten war. Eigens für dieses Spiel hatten die Gastgeber ein Security-Unternehmen engagiert, um möglichen Problemen Herr zu werden. Einige Unbelehrbare, die eher beiden Vereinen damit schaden, provozierten einen Spielabbruch. Die geworfenen Papierrollen mögen zum Fußball gehören, aber nicht in die Hallen beim Handball. Zwischen der 47. und 48. Minute stand die Partie so auf des Messers Schneide und war minutenlang unterbrochen. Durch die Appelle von Tobias Liebschner seitens der Pulsnitzer und Raik Freudenberg und Alexander Milde von der Kamenzer Bank wurde die Spielfortsetzung erreicht, einige Randalierer aus dem Fan-Block eliminiert. Auch manch unqualifizierter Einwurf Kamenzer Fans gegen Pulsnitzer Spieler war nicht ganz astrein. Danach gewann wieder die sportliche Seite des Derbys ihre besseren Seiten. Immerhin hatten die Gäste bis dahin gut mitgespielt und zuvor schon zeitweilig die Partie bestimmt. Mit dem 24:24 hatten sie noch alle Siegmöglichkeiten. Die Kamenzer waren von Beginn an nie so richtig in Fahrt gekommen und die Gäste schlugen die feinere Klinge. In der siebenten Minute hatte der HVH lediglich ein Tor machen können, während der HSV bereits vier vorgelegt hatte. Bis zur Pause rannten die HVH-Männer einem Rückstand hinterher. Mehr als drei Tore Differenz konnte das Team von Andreas Lemke aber nicht wegziehen. So blieb die Partie immer auf Augenhöhe. Gleich nach dem Seitenwechsel holten sich Sven Schäfer und Edgaras Gudaitis erstmals die Führung. Von da an konnte sich kein Team mehr deutlicher absetzen. Beim 16:17, als noch 25 Minuten zu spielen waren, konnte Ronny Schäfer nochmals sein Gäste-Team in Front werfen. Danach legten die Kamenzer immer ein bis zwei Tore vor, während die Pulsnitzer umgehend wieder ausglichen. Erst ab der 50. Minute begannen die Gäste etwas zu wackeln. Zwar konnte nochmals ausgeglichen werden, aber bis zur 57. Minute baute der HVH den Vorsprung auf vier Tore aus. Bedauerlich, aber sportlich gesehen fair, passierte, was viele im Vorfeld erwartet hatten. Die Lessingstädter setzten für die Pulsnitzer das Liga-Stopzeichen und besiegelten deren Abstieg in die sechste Liga. Dass es gerade die Nachbarn waren, die das bewerkstelligten, ist für den HSV zwar tragisch, aber die möglichen Punkte für den Klassenerhalt wurden zuvor auch nicht eingefahren. Ob ein Sieg überhaupt gereicht hätte, bleibt bei dem Restprogramm gegen den Vierten Görlitz und den Sechsten Dresden ohnehin fraglich. Vor allem ein wieder toll aufgelegter Thomas Bauer im Gästetor hatte sein Team immer im Spiel gehalten. Ihm gebührt die Ehre, der beste Mann auf der Platte gewesen zu sein. Die Kamenzer Werfer scheiterten ein ums andere Mal an ihm. In einer umkämpften und auch von den jungen Schiris gut geleiteten Partie konnten zumindest die Gastgeber feiern. Auch für die zahlreiche Prominenz auf den Rängen war dieser Spieltag ein Erlebnis, wie es das oft nur bei Derbys gibt. Lange in Kamenz nicht erlebt, gab es in den letzten Minuten sogar wieder einmal Standing Ovations für die Schäfer, Freudenberg und Co. Sie hatten sich mit Engagement bis zum Abpfiff durchgebissen und nie von ihrer Linie abbringen lassen. Auch das Trainergespann konnte zufrieden sein, denn dem konnte eine taktisch reife Leistung bescheinigt werden. So war in Kamenz Freude pur angesagt, während Pulsnitz wieder für die Verbandsliga planen kann. Da das Team zusammenbleiben dürfte, können die Erfahrungen für die nächsten Jahre und einen möglichen Wiederaufstieg genutzt werden. Das wird dann ohne Trainer Lemke geschehen, der nach der Saison seine fünfjährige Aufbauarbeit beim HSV beenden wird.
Kamenz spielte mit: Schacht, Hedermann; Oswald (1), Schulz (4), Rudolph (1), Magister, Stankevicius (4/1), P. Freudenberg (5), Schädlich, Schäfer (10/1), Gudaitis (8/3) und Hübner (2/1).
Pulsnitz spielte mit: Bauer, Schuckelt; Häberer, Gneuß (1), Schäfer (7/4), Lüttke (1), Schwenke (1), Eppendorfer (6), Liebschner, Lauter, Schulze (5), Schöne (5) und Domko (4).
Stimmen der Trainer
Alexander Milde (Kamenz): „Insgesamt ist das Spiel nicht ganz so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten. In der Anfangsphase wurde nicht das gemacht, was vorgegeben wurde. Wir hatten vorher schon geahnt, das Pulsnitz auch längere Zeit führen könnte. Wir haben deshalb gewartet und uns nie aus der Ruhe bringen lassen. Wir haben konsequent weiter gespielt und dann die Vorgaben umgesetzt. Vor allem die Überzahlen wurden nicht gerade clever gespielt, aber am Ende haben wir die Partie so wie gewollt runter gespielt. Damit sind die geplanten sechs Punkte eingefahren. Was noch kommt, ist eventuell Zugabe. Insgesamt war die Partie kampfreich, interessant, wenn auch nicht immer besonders schön.“
Andreas Lemke (Pulsnitz): „In der ersten Halbzeit haben wir ein starkes Spiel gemacht. In der zweiten Hälfte wurden wir konditionell durch Unterzahlen stark gefordert. Wir haben noch zu wenige Spieler mit individuellen Stärken, um die nötige Gegenwehr in Abwehr und Angriff auf die Platte zu bringen. Wir haben uns über das gesamte Spiel nie hängen lassen. In einigen Phasen hat die Eins zu Eins-Gruppentaktik nicht mehr so funktioniert wie in der ersten Hälfte. Da hatten wir taktisch klug gespielt und waren erfolgreich. Die Mannschaft kann sich noch weiter entwickeln. Der Wille dazu muss da sein. Der Mut der jungen Spieler ist sehr gut. Was fehlt, ist noch ein erfahrener, abgeklärter Spieler mit der nötigen Tempodosierung. Ansonsten gilt es vor allem, die Chancenverwertung zu verbessern.
Eberhard Neumann